Eraclea Minoa
Ungefähr 25 km westlich von Agrigent an der Mündung des Flusses Platani können die Überreste der antiken griechischen Stadt Eraclea Minoa besichtigt werden. Die Ausgrabungsstätte ist für die Öffentlichkeit zugänglich, der Eintrittspreis beträgt 7 € pro Person. Ein kleines Museum zeigt die gefundenen Stücke und erklärt die Geschichte der Siedlung. Kostenfreies Parken ist vor Ort möglich.
| täglich | 9:00 bis eine Stunde vor Sonnenuntergang |
Geschichte
Minoa wurde nach 650 v. Chr. von Selinunte, deren antiker Name Selinus war, als Kolonie am Fluss Platani (antiker Name: Halycus) gegründet. Minoa stand seit damals im Streit zwischen Selinus (als östlicher Vorposten) und Akragas, das die Kontrolle über das Platani-Tal anstrebte. Um 510 v. Chr. versuchten Spartaner, Sizilien zu erobern, wurden aber von den Karthagern und Segestern besiegt. Nur Euryleon überlebte und erklärte ich zum Herrscher von Eraclea Minoa, weil er sich als Nachfahre von Herkules sah. Kurze Zeit später stand die Stadt unter Kontrolle von Akragas, dem heutigen Agrigent, und begann zu wachsen. Um 406 v. Chr. wurde sie wahrscheinlich von den Karthagern zerstört, weil sie zu mächtig wurde. 397 v. Chr. wurde sie von Dionosys von Syrakus im ersten punischen Krieg zurückerobert, fiel bereits 383 v. Chr. wieder an die Karthager. 309 v. Chr. schloss sich Eroclea Minoa der Bewegung von Xenodicus of Agrigentum an, die sich unabhängig von Karthago und Syrakus erklären. Bereits 4 jahre später wurde die Stadt von Karthogo erobert.
278 v. Chr. wurde die Stadt durch Pyrrhus eingenommen, 260 v. Chr. von Hanno besetzt, der gegen Agrigentum vorrücken wollte, welches von den Römern belagert wurde. Im Jahr 256 v. Chr. wurde erneut in Heraclea die karthagische Flotte mit 350 Schiffen stationiert, um die Durchfahrt der römischen Flotte nach Afrika zu verhindern, wo sie eine schwere Niederlage durch die römischen Konsuln Regulus und Manlius erlitt. Zu dieser Zeit scheint es einer der wichtigsten Marinestützpunkte der Karthager in Sizilien gewesen zu sein, und 249 v. Chr. nahm ihr Admiral Carthalo dort seinen Posten ein, um nach der römischen Flotte Ausschau zu halten, die sich zur Entsetzung von Lilybaeum näherte. Am Ende des ersten punischen Krieges fiel Heraclea Minoa zusammen mit dem Rest Siziliens unter römische Herrschaft, aber im Zweiten Punischen Krieg fiel es erneut in die Hände der Karthager und war einer der letzten Orte, die sich noch gegen Marcellus zur Wehr setzten, selbst nach dem Fall von Syrakus.
Unter römischer Herrschaft ist darüber wenig überliefert, aber es scheint, dass die Stadt im Ersten Sklavenkrieg (134–132 v. Chr.) schwer gelitten hat und infolgedessen eine Gruppe neuer Kolonisten aufgenommen hat, die vom Prätor Publius Rupilius dort angesiedelt wurden. Gleichzeitig wurden die Beziehungen zwischen den alten und neuen Bürgern durch ein Gemeindegesetz geregelt, das noch zur Zeit Ciceros bestand, als Eraclea Minoa noch blühte. Bald darauf muss es, wie die meisten Städte an der Südküste Siziliens, verfallen sein. Archäologische Funde zeigen, dass die Stadt gegen Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. aufgegeben wurde. Allerdings ist sie eine von drei Städten an der Südküste Siziliens, die vom römischen Geographen Mela aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und auch vom griechischen Geographen Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. kurz erwähnt werden. Letzterer ist der letzte Autor, der den Namen Eraclea Minoa erwähnt; die Stadt scheint vor der Zeit der römischen Itinerarien endgültig verschwunden zu sein.
Die Siedlung
Eraclea Minoa erstreckt sich über das Plateau südlich des Theaters, umgeben von einer mächtigen Stadtmauer. Die Siedlung weist ein reguläres städtisches Design auf, durchzogen von parallelen Straßen in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung. Zwischen den Straßen befanden sich die Häuser, wobei zwei Typen unterschieden werden. Einmal die Häuser aus der hellenistischen Periode (4. bis 3. Jahrhundert v.Chr.) und aus der Zeit der römischen Republik (zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr). Die Häuser sind nicht alle gleich, die meisten bestehen aus 1-2 Räumen, umgeben von einem Hof. Die Mauern sind aus Steinen oder rohen Ziegeln errichtet.
Als im 2. Jahrhundert v. Chr. das Theater nicht mehr in Nutzung war, wurde die Stadt bis zum Theaterhof erweitert. Einige Werkstätten und Geschäfte überlappen sich mit dem Theater.
Die Nekropole
Die antike Nekropole erstreckt sich über offenes und flaches Land mit Blick auf den Fluss, der etwas mehr als einen Kilometer vom besiedelten Gebiet entfernt ist. Die hellenistische Nekropole auf der westlichen Seite der Stadt ist näher gelegen. 1962 und von 1984 bis 1988 wurden Grabungen auf den Arealen der Nekropolen durchgeführt. Über 400 Gräber wurden gefunden. Gräber aus der archaischen Zeit sind entweder einfache Bestattungen in der Erde oder erfolgten in Särgen mit Marmorplatten als flache Deckel oder Hauben. Kinder wurden oft in Vasen bestattet, oft mussten diese beschädigt werden, um die Körper in den Amphoren zu platzieren. Es wurden Grabbeigaben, oft in Form von Vasen für die Aufbewahrung von Cremes, Tassen und Teller, gefunden. Einige Keramiken sind mit Dekor aus der späten Korinthischen Zeit (schwarze Figuren auf rotem Grund) oder aus der hellenistischen Zeit (rote Figuren auf schwarzem Grund) verziert.
Capo Bianco
Vom Parkplatz kann man einen Abstecher an die Felsküste machen. Am Kap gibt es eine kleine Sitzmöglichkeit und man hat einen wunderbaren Blick über die Küste und auf den weißen Felsen.